März 18th, 2009

Beni gibt wieder mal Vollgas. Auf einer Missionsreise durch Afrika bringt er den Menschen genau das, was sie unbedingt brauchen: die frohe Botschaft Jesu Christi!

“Ich habe nichts anderes anzubieten als Jesus Christus und seine Botschaft vom Kreuz”, sagte Papst Benedikt XVI.
Afrika könne sich durch “die unwiderstehliche Kraft des Evangeliums wandeln”.[1]

DU SPAST! Gibt es irgendwas, was den Afrikanern noch weniger nützt als religiöse Mission und noch mehr Gründe zum Streiten?
Ein paar tolle Sprüche zu Kondomen musste er natürlich auch noch loswerden.

Wörtlich hatte der Papst diesmal nur betont, das Problem der Immunschwäche-Krankheit Aids könne nicht allein mit „Werbeslogans“ oder der Verteilung von Kondomen überwunden werden. Solche Maßnahmen vergrößerten das Problem nur zusätzlich. Eine Lösung würde stattdessen „in einer Humanisierung der Sexualität bestehen, in einer geistlichen und menschlichen Erneuerung.“ ((Kondome: Wurde der Papst nur falsch verstanden? - WELT ONLINE

Ich erwarte ja nicht, dass der Herr von heute auf morgen plötzlich die kirchlichen Dogmen umwirft und auf den Strassen Kondome verteilt. Aber kann er nicht mal einfach die Fresse halten, statt solchen Dünnschiss zu produzieren? Und wenn wir schon dabei sind: Was zum Teufel versteht der Papst unter einer “Humanisierung der Sexualität”?? Die kirchliche Position zu dieser Frage ist etwa das genaue Gegenteil davon, was ich “Humanisierung” nennen würde. Beni, du kannst persönlich denken, was du willst, aber: Si tacuisses, philosophus mansisses. Oder wenn wir es aus der Bibel nehmen wollen: “Wollte Gott, ihr schwieget, so wäret ihr weise.” (Hiob 13, 5)

  1. Blick am Abend, 17. März. Hab keine Lust, ne bessere Quelle zu suchen. []

Februar 24th, 2009

Christliches Essbesteck

Ein Leserbrief an den Bund, zu der Plakatkampagne der Freidenker bzw. einem Interview dazu aus dem Bund:

Ich verstehe nicht, wie Frau Caspar behaupten kann, die Grundwerte unserer Gesellschaft seien nicht christliche Werte. Interessanterweise kamen die Menschen auf anderen Kontinenten wie Asien oder Afrika auch nicht auf die Idee, «unsere» (europäische, christliche) Regeln für ihre Gesellschaft zu definieren: Ihnen liegen eben andere Religionen zugrunde.

Salome TschanzSteffisburg

Ich verstehe nicht, wie man behaupten kann, Messer und Gabel seien keine christlichen Utensilien. Interessanterweise kamen die Menschen in China auch nicht selber auf die Idee, mit europäischem Besteck zu essen - sie nahmen Essstäbchen. Ist ja klar, ihnen liegt schliesslich eine andere Religion zugrunde.

Februar 18th, 2009

Sicher liberal.

Was soll ich bloss tun?
Sichere Sozialwerke. Sichere Arbeitsplätze. Sicher leben.
Die “Wir Liberalen” (offensichtlich sind es noch nicht “Die Liberalen”) werben mit Sicherheit. Seit wann ist das auf der liberalen Agenda? Sicherheit ist aus meiner Sicht in etwa das Gegenteil von Liberalismus. Was muss ich unter diesem Slogan verstehen? Väterchen Staat sorgt für unsere Sicherheit?
Es ist unnötig, mich daran zu erinnern, dass die FDP keine eigentliche liberale Partei ist… Nur, irgendetwas muss ich ja wählen. Und hier fällt es mir sehr schwer. Bleiben noch etwa die Grünliberalen, die gegen Atomkraft sind. Vom ganzen Rest will ich gar nicht erst reden.
Schade, dass das Forum Liberale Mitte nach dem verpatzten Start in die letzten Nationalratswahlen offenbar bereits keine Lust mehr auf Politik hat (oder etwa darauf, die eigene Homepage zu aktualisieren). Die Idee hätte mir gar nicht mal so schlecht gepasst.

Februar 16th, 2009

“Atheist Bus Campaign” in der Schweiz

Werbung für “religiöse Abrüstung” auch in der Schweiz: Die Freidenker-Vereinigung der Schweiz will es der britischen Atheist-Bus-Kampagne gleichtun und den Slogan “Wahrscheinlich gibt es keinen Gott. Kein Grund zur Sorge - Geniess das Leben!” auch in Schweizer Städten auf Bussen fahren lassen.
Ich fand schon die englische Kampagne super und werde wohl einen kleinen Batzen spenden bei der Schweizer Version: Dies, weil ich der Meinung bin, dass es sinnvoll ist, die Domäne PR nicht vollständig von Religionen besetzen zu lassen, sondern auch einmal mit Atheismus/Agnostizismus in der Öffentlichkeit präsent zu sein. Wichtig ist mir dabei auch, dass der Slogan positiv ist und nicht auf Beleidigung der Religionen abzielt, wie man es den Atheisten oft vorwirft - auch wenn zweifellos wieder einige Religiöse ihre Leier vom “militanten Atheisten” zum Besten geben werden. Damit kann ich leben. Aus meiner Sicht ist es ein notwendiger gesellschaftlicher Prozess, dass die Religiösen diesbezüglich ein wenig dickere Haut bekommen, so wie wir sie schon allzu lange brauchen…
Wer diesbezüglich gleicher Meinung ist wie ich, den will ich auch zur Spende motivieren: Weitere Informationen finden sich auf http://geniess-das-leben.ch und auch auf der Homepage der Freidenker-Vereinigung der Schweiz.
Über kritische Kommentare und alternative Meinungen freue ich mich übrigens ebenfalls.

Februar 3rd, 2009

Böse Christen? Für einmal nicht.

Wie Pharyngula berichtet[1], hat sich in England ein Patient beschwert, nachdem eine Krankenschwester angeboten hatte, für ihn zu beten.[2] Die Krankenschwester wurde zeitweilig suspendiert, weitere Entscheide stehen aus.
Im Gegensatz zu PZ Myers und vielen seiner Kommentatoren stimme ich für einmal der anderen Seite zu, und kann auch verstehen, wenn Melanie Phillips dazu schreibt “This is the way society dies”.[3] Ohne den ganzen Artikel gelesen zu haben, gut möglich dass darin auch Fundiedreck steht, aber man übertreibt, wenn man einer Krankenschwester verbieten will, dem Patienten anzubieten, für ihn zu beten. Ich würde an seiner Stelle antworten: Wenn du unbedingt willst, darfst du schon für mich beten, aber nicht bei mir im Zimmer, und fühle dich nicht gezwungen - ich denke nicht, dass es mir viel bringen wird. Aber sich beleidigt fühlen? Befremdet vielleicht, aber beleidigt?
PZ Myers hat einmal gesagt, Religion solle wie Häkeln sein, ein Hobby, das die Leute glücklich macht, und nicht mehr. Täte er nicht gut daran, sich selber an diese Idee zu halten? Wenn jemand mir anbieten würde, einen Pullover für mich zu häkeln, wenn ich krank bin, würde ich wohl dankend ablehnen, aber mich wohl kaum beleidigt fühlen. Dasselbe erwarte ich von jedem gesellschaftsfähigen Atheisten, Muslimen, Christen und anderen Gläubigen oder Nichtgläubigen bezüglich Gebetsangeboten jedwelcher Art. Man kann nicht ernsthaft kein Problem darin sehen, eine Hostie zu durchstechen, aber sich beleidigt fühlen, wenn jemand ohne bösen Willen für einen beten will.

  1. Pharyngula - Keep your prayers for yourself, Nurse []
  2. BBC NEWS - Nurse suspended for prayer offer []
  3. Mail Online - Melanie Phillips - […] this is the way society dies []

Januar 30th, 2009

No true scotsman…

Am Open Forum in Davos, einer Veranstaltung im Rahmen des WEF zusammen mit dem Evangelischen Kirchenbund organisiert, fand eine Diskussionsrunde über “Religion und Menschenrechte” statt. Dort äusserte sich, neben Bundesrätin Calmy-Rey (”Religion und Menschenrechte [haben] im Grundsatz das gleiche Ziel”[1] ), etwa auch ein “Vater Macarios von der russisch-orthodoxen Kirche” oder “Imam Abu Easa Niamatullah”:[1]

Religiösen Fundamentalismus wollen auch weder Vater Macarios von der russisch-orthodoxen Kirche noch Imam Abu Easa Niamatullah akzeptieren. Sie wehren sich aber dezidiert gegen die Auffassung, dass Gewalt von “wahren Religionsvertretern” verübt werde.

Die anderen sind dann wohl die “falschen Religionsvertreter”. Ganz getreu dem Motto des “unwahren Schotten”:[2]

Argument: “Kein Schotte tut Zucker in seinen Haferbrei.”
Antwort: “Aber mein Onkel Angus ist Schotte und tut Zucker in seinen Haferbrei.”
Widerlegung: “Ja, aber dein Onkel Angus ist kein wahrer Schotte.”

Wahre Religion ist friedfertig, also sind diejenigen, die Gewalt verüben, nicht religiös. Super, ne?

  1. http://portal.gmx.net/de/themen/schweiz/top/7483622-Calmy-Rey-Religion-und-Menschenrechte-haben-gemeinsames-Ziel,cc=000009367500074836221TW7zv.html [] []
  2. http://de.wikipedia.org/wiki/No_true_Scotsman []

Januar 20th, 2009

Obamanie…

Ich kann nicht anders als kritisch sein, wenn zu viele Leute etwas toll finden. Schön und toll, Obama ist sicher sowohl für Amerika als auch für die Welt die bessere Wahl als McCain. Aber Obama-Partys und Millionen von Leuten, die bei der Vereidigung dabei sind? Riesige Pop-Freiluftkonzerte für Obama? Das macht mir eher Angst denn Freude. Massenbegeisterung verheisst selten etwas Gutes.
Viel Erfolg auch von meiner Seite für die nächsten vier Jahre für den neuen amerikanischen Präsidenten.

Landbote: Obama-Party im Gange
Wiener Zeitung: Washington im Obama-Taumel
Spiegel Online: Obama-Vereidigung Fotostrecke

Dezember 17th, 2008

Geschiedene Priester

Gestern konnte man lesen (etwa hier), dass in der katholischen Kirche offensichtlich Geschiedene zum Priester werden können. Die Ironie spricht Bände: Weder ist es erlaubt, als christlich Verheirateter Priester zu werden, noch ist es erlaubt, die kirchliche Ehe zu annullieren. Erst heiraten, dann scheiden und dann Priester werden, scheint nicht nur erlaubt zu sein - es qualifiziert einen auch dafür, diese beiden Dogmen vor dem Kirchenvolk zu vertreten.
Ist das nun Absurdität in Reinkultur oder einfach angewandte XOR-Logik?

Ebenfalls zum Thema: MM.

Dezember 12th, 2008

Michael Sams’ Brain

Hat tip to Neuroskeptic: Ein satirischer Seitenhieb auf die Verhaltensneurobiologie.

http://4.bp.blogspot.com/_zE8CzamN1Y0/STXQ9uY2qDI/AAAAAAAAAEw/3y6aDvMpyz4/s1600-h/vizbrain.jpg

November 28th, 2008

Grabeskirche von Jerusalem: Kutten gegen Ultras

Armenisch-orthodoxe und griechisch-orthodoxe Priester prügeln sich vor der Grabeskirche in Jerusalem. Ein Bild, das regelmässige Besucher von Hockey- oder Fussballspielen unweigerlich an andere Szenen erinnert: Eine Schwarz-in-Schwarz gekleidete Gruppe, die an eine Ultra- oder auch Hooligan-Gruppierung erinnert, und eine Gruppierung aus bunt aufgemachten, mit allem möglichen Firlefanz behangenen Leuten, die wie “Kutten” aussehen, plus Krawall und Remmidemmi und überforderte Cops, die die Situation nicht im Griff haben. Das ganze rund um einen “heiligen Tempel”, wo die Leute jede Woche hingehen, um zu singen und ihrer “Religion” zu folgen. Und selbstverständlich erklärt jeder Beteiligte, er sei provoziert worden und der andere habe angefangen, oder A habe B eine Fahne geklaut, oder C hätte im Stadion am falschen Ort gestanden, wo üblicherweise Leute der Gruppierung Z sind; selbstverständlich spielt die Ehre auch noch eine wichtige Rolle. Die Parallelen sind doch beeindruckend.

(Nur als Klarstellung noch die Bemerkung, dass Kuttenfans tendenziell eher weniger mit Prügeleien im oder neben dem Stadion zu tun haben, meistens sind da eher “Schwarzgekleidete” involviert. Aber das Bild ist einfach zu suggestiv, um keinen Beitrag dazu zu schreiben :D)

Hat tip an Andreas Kyriacou.